Eine Kindheit in Matsumoto, in den japanischen Alpen, in den 1930er Jahren. Yayoi Kusama, 1929 geboren, erzählt, sie habe mit zehn Jahren gesehen, wie das Muster des Tischtuchs den ganzen Raum einnahm. Punkte vervielfältigten sich an den Wänden, auf ihren Händen, am Himmel vor dem Fenster. Dieses Bild hat sie ihr ganzes Leben festgehalten. Siebzig Jahre später lebt sie noch immer in Tokio, in einer psychiatrischen Einrichtung, die sie 1977 selbst wählte, und malt jeden Tag Punkte.

Diese Kontinuität ist in der Gegenwartskunst selten. Die meisten Künstler durchlaufen Phasen, lassen ein Motiv für ein anderes zurück. Kusama hielt den Punkt und das unendliche Netz sieben Jahrzehnte lang fest, wie man eine nützliche Obsession festhält. Das Ergebnis ist ein auf den ersten Blick erkennbares visuelles Vokabular, ob in einem Museumsshop in Tokio oder in der Retrospektive der Tate Modern in London 2012.

New York, 1958-1973

Sie kam 1957 in Seattle an, 1958 in New York, mit einem Koffer voller Zeichnungen und minimalem Englisch. Ihre Eltern wollten sie mit einem Textilerben in Matsumoto verheiraten. Sie weigerte sich. In New York lebte sie in kalten Ateliers, malte nachts und zeigte 1959 in der Brata Gallery ihre ersten „Infinity Nets": Leinwände, die vollständig mit kleinen weißen Bögen auf schwarzem Grund bedeckt waren. Donald Judd, damals Kunstkritiker, kaufte eine dieser Leinwände für 200 Dollar.

In den 1960er Jahren veranstaltete Kusama Happenings, bemalte Räume, Pferde und freiwillige Akte mit allen erdenklichen Punktmustern. Sie fotografierte alles. Sie stand in direktem Wettbewerb mit Andy Warhol, dem sie jahrelang vorwarf, mehrere ihrer Ideen zur seriellen Wiederholung kopiert zu haben. Als sie 1973 krank und erschöpft nach Tokio zurückkehrte, hatte die amerikanische Kunstwelt ihren Namen vergessen. Es bedurfte der Ausstellung im Centre Pompidou 1985 und der Retrospektive auf der Biennale von Venedig 1993, um sie wieder in den Vordergrund zu bringen.

Der Kürbis, absolute Signatur

Der Kürbis taucht schon aus der Kindheit in ihrem Werk auf. Die Familie betrieb eine Baumschule. Mit siebzehn zeichnete sie ihre ersten Kürbisse. Das Motiv wurde in den 1980er Jahren wiederkehrend und explodierte in den 2000er Jahren mit den monumentalen Skulpturen auf der Kunstinsel Naoshima im japanischen Binnenmeer. Der gelbe Kürbis mit schwarzen Punkten von Naoshima, seit 1994 dem Meer zugewandt aufgestellt, ist heute wahrscheinlich das meistfotografierte Bild der japanischen Gegenwartskunst.

Warum der Kürbis? Kusama hat es erklärt: die runde Form, die warme Farbe, die Ungeschicklichkeit des Motivs berühren sie. Eine banale Frucht, auf die niemand schaut, wird zum Monument. Das Motiv funktioniert auch als Poster. Kompositionen, bei denen der Kürbis im Mittelpunkt eines einfarbigen Hintergrundes steht, Gelb auf Violett, Gelb auf Rot, Gelb auf Schwarz, sind am wirkungsvollsten zu reproduzieren. Unser Poster, der gelbe Kürbis auf violettem Grund, ist eine Arbeit in diesem Geist - kein Originalwerk der Künstlerin, sondern eine von diesem Vokabular inspirierte Illustration.

„Ich möchte eine Blume am Wegrand werden", schrieb Kusama 1968. „Eine Blume, die niemand ansieht, die aber weiterexistiert."

Mit einem Kusama an der Wand leben

Das Punktmotiv braucht im Innenraum Platz. Ein mit Punkten bedecktes Poster oder ein unendliches Netz verträgt sich nicht gut mit anderen Mustern. Die Regel, die funktioniert: eine einzige Wand, ein einziger Hintergrund, ein einziges großes Stück. Der Rest des Raums muss sich beruhigen. Ein einfarbiges Sofa, neutrale Wände, eine schlichte Lampe. Die Punkte übernehmen die Arbeit ganz alleine.

Das Format zählt. Unter 50 mal 70 Zentimetern verliert das Motiv seine hypnotische Kraft und wird zum Nippes. Bei 70 mal 100 Zentimetern, vor allem in einem Raum, in dem es allein hängt, geht es in eine andere Dimension über. Der Rahmen: mattes Schwarz, um die Komposition zu disziplinieren, oder helles Holz, damit sie atmen kann. Vergoldete Rahmen sind zu vermeiden, sie streiten mit der Farbe der Punkte.

Drei Werke, die man kennen sollte

  • „Infinity Nets" (ab 1959): die weißen Netze auf schwarzem Grund oder umgekehrt, die sie heute noch in Formaten bis zu drei Metern malt.
  • „Pumpkin" von Naoshima (1994): die Skulptur aus Glasfaser, seit 1994 dem japanischen Binnenmeer auf einem Steg zugewandt aufgestellt.
  • „Eyes" (1998): eine Komposition aus vervielfältigten Augenmotiven, in der Tradition des japanischen Nachkriegssurrealismus. Unsere Reproduktion dieser Tafel vereint die gesamte Grammatik der Künstlerin.

Bei Montmartre Poster vereint die Japonisme-Auswahl Punkte, Netze, Ukiyo-e-Drucke und die visuelle Welt, die seit drei Jahrhunderten zwischen Edo und Tokio zirkuliert. Die Japonisme-Kollektion zeigt das gesamte Angebot, gedruckt auf Kunstdruckpapier 275 g/m².