Der japanische Holzschnitt ukiyo-e ("Bild der fliessenden Welt") ist die ausgefeilteste volkstuemliche Kunstform, die je hervorgebracht wurde. Zwei Jahrhunderte lang wurden Tausende von Bildern in Edo (dem heutigen Tokio) gezeichnet, geschnitten, gedruckt und zu Preisen verkauft, die fuer die Kaufmannsklasse erschwinglich waren. Sie zeigten Kabuki-Schauspieler, beruhmte Kurtisanen, Landschaften, Schlachten. In Auflagen von mehreren Tausend gedruckt und fuer wenige Muenzen verkauft, erzielen die feinsten Exemplare heute mehrere hunderttausend Euro.
Hokusai: die Landschaft als Absolutes
Katsushika Hokusai (1760-1849) arbeitete unter sechsunddreissig verschiedenen Pseudonymen. Er schuf mehr als 30.000 Werke. Seine "Sechsunddreissig Ansichten des Berges Fuji" (zwischen 1830 und 1833 erschienen) sind sein Hauptwerk. Das bekannteste Blatt, "Die grosse Welle vor Kanagawa", zeigt eine Welle, die ueber Fischerboote hinwegbricht, mit dem winzigen Fuji im Hintergrund. Die Komposition ist von stoerrender Modernitaet: der Standpunkt ist instabil, die Welle wirkt beinahe abstrakt, und das Preussischblau (von den Hollaendern aus Europa eingefuehrt) verleiht dem Bild eine neue Tiefe.

Im Alter zog Hokusai regelmaessig um, um seinen Glaeubigern zu entkommen, seine Holzplatten unter dem Arm. Er zeichnete bis zu seinem Tod mit 88 Jahren. Sein letztes bekanntes Werk ist eine Drachenskizze, datiert auf seinen Todestag.
Hiroshige: Licht und Regen
Utagawa Hiroshige (1797-1858) ist anders als Hokusai. Wo Hokusai monumentale Kompositionen entwirft, sucht Hiroshige die Atmosphaere: schraeger Regen in einer Sturmnacht, Morgennebel ueber einem Gebirgspass, Herbstlicht ueber einem Schilfroor. Seine "Dreiundfuenfzig Stationen des Tokaido" (1833) sind ein Katalog japanischer Landschaften durch alle Jahreszeiten. Jedes Blatt zeigt eine Poststation auf der Strasse zwischen Edo und Kyoto, in einem bestimmten Licht und einer bestimmten Jahreszeit.
Hiroshige hatte einen unmittelbaren Einfluss auf den europaischen Impressionismus. Monet besass 231 japanische Holzschnitte, die in seinem Haus in Giverny hingen (heute noch zu sehen). Die Technik der kurzen Pinselstriche, die asymmetrische Komposition, die Behandlung des natuerlichen Lichts: offensichtliche Gemeinsamkeiten, die Monet selbst nie geleugnet hat.
Van Gogh kopierte 1887 zwei Holzschnitte von Hiroshige in Oel, um die japanische Komposition zu verstehen. Er malte sie seitenverkehrt, gespiegelt, um den Aufbau besser analysieren zu koennen.
Utamaro: Frauenportraets
Kitagawa Utamaro (1753-1806) spezialisierte seine Werkstatt auf ein bestimmtes Genre: Frauenportraets. Seine Kompositionen zeigen Kurtisanen oder gewoennliche Frauen in alltaeglichen Momenten - beim Frisieren, nach dem Bad, beim Schreiben eines Briefes. Der Bildausschnitt ist oft sehr eng, das Gesicht nimmt zwei Drittel des Bildes ein, die Haende sind sichtbar. Der Strich ist von ausserordentlicher Feinheit, die Farben weich und praezise.

Einen Holzschnitt fuer die eigene Dekoration waehlen
Ukiyo-e-Holzschnitte passen in jeden modernen Wohnraum, sofern sie sorgfaeltig praesentiert werden. Einige Grundsaetze: ein schlichter Rahmen (helle Eiche oder mattschwarzes Holz, kein goldlackierter Rahmen, der nach "asiatischem Basar" aussieht), ein grosszuegiger cremefarbener Passepartout und eine Position auf Augenhoehe. Sie fuegen sich ebenso gut in ein minimalistisches Interieur (ein einzelner grosser Holzschnitt an einer weissen Wand) wie in einen reichhaltigeren Raum (mehrere kleine Formate in einer Bildergalerie).
Unsere Auswahl umfasst die drei grossen Meister (Hokusai, Hiroshige, Utamaro) sowie einige seltenere Zeitgenossen (Kuniyoshi, Kunisada). Alle unsere Reproduktionen werden auf 275-g-Kuenstlerpapier gedruckt, mit Farben, die an den Originalen im Musee Guimet in Paris und im British Museum in London kalibriert wurden.






