April 1919. Walter Gropius, 36 Jahre alt, veröffentlicht aus Weimar das Bauhaus-Manifest. Der Eröffnungssatz ist geblieben: „Das Endziel aller schöpferischen Tätigkeit ist Bauen." Die Schule öffnet mit neunzehn Studierenden in den Gebäuden der alten Weimarer Kunsthochschule. Hundert Jahre später ist das Bauhaus in das UNESCO-Welterbe aufgenommen worden, sein Alphabet hat alle zeitgenössischen serifenlosen Schriften geprägt, und seine Ausstellungsplakate sind zu Sammlerstücken geworden.
Diese hundertjährige Reise stellt eine einfache Frage: Warum funktioniert eine Bewegung, die nur vierzehn Jahre dauerte, 1933 von den Nationalsozialisten geschlossen, heute noch in der Innenraumdekoration? Die Antwort liegt in drei Dingen: ein formales Vokabular von totaler Lesbarkeit, eine Pädagogik, die sich auf drei Kontinenten verbreitet hat, und eine grafische Ökonomie, die perfekt auf die Wände des 21. Jahrhunderts abgestimmt ist.
Das Jubiläum und was es ausgelöst hat
Im Jahr 2019 veranstaltete Deutschland ein Jubiläum im Maßstab des Ereignisses. Das Bauhaus-Archiv in Berlin überarbeitete seine Dauerausstellung vollständig. Dessau öffnete seine Werkstätten wieder, originalgetreu nach Gropius' Entwurf von 1925 restauriert. Weimar eröffnete ein neues Museum. Auktionen von originalem Bauhaus-Mobiliar brachen mehrere Rekorde. Ein Brno-Stuhl von Mies van der Rohe, 1929 entworfen, erzielte bei Wright Auctions in Chicago 65 000 Euro.
Die Auswirkung auf den Postermarkt war unmittelbar. Bauhaus-Ausstellungsplakate aus der Periode 1923-1929 sind in gutem Zustand selten. Ein Original von Joost Schmidt für die Bauhaus-Ausstellung 1923 erzielt regelmäßig 8 000 bis 15 000 Euro in öffentlichen Versteigerungen. Spätere, von den Erben genehmigte Ausgaben bleiben hingegen erschwinglich. Und freie Neuinterpretationen in der Bauhaus-Sprache - Primärformen, Farbflächen, serifenlose Typografie - haben in der letzten Dekade ein stabiles Publikum gefunden.
Warum diese Plakate Bestand haben
Vier technische Gründe. Erstens die Palette: drei bis vier Farben maximal, aus Johannes Ittens Farbkreis, der seit dem Vorkurs von 1919 gelehrt wurde. Diese Disziplin verhindert Sättigung und gibt jedem Stück eine einprägsame Signatur. Dann die Geometrie: Kreis, Quadrat, Dreieck, gerade Linie. Kein Ornament, kein Filigran. Das Bauhaus brach 1923 in diesem Punkt mit dem Jugendstil und kehrte nie zurück.
Dritter Grund: die Typografie. Herbert Bayer entwirft 1925 sein „Universalalphabet", vollständig in Kleinbuchstaben, ohne Serifen, geometrisch konstruiert. Der Satz, den er mit dem Projekt verband („Warum zwei Alphabete, wenn man mit einem auskommt?"), bestimmte fünfzig Jahre lang die Richtung der Schweizer, amerikanischen und französischen Typografie. Vierter Grund: das Format. Bauhaus-Plakate wurden für Wände konzipiert, die aus kurzer Entfernung, zwei bis drei Meter, gesehen werden - genau die Leseentfernung eines Plakats in einem Wohnzimmer oder Wohnungsflur.
Unser Bauhaus-Plakat mit türkisen Wellen nimmt diese Grammatik auf: eine einfache Form, seriell wiederholt, auf einfarbigem Grund, in einer begrenzten Palette. Es ist die Art von Stück, das jahrelang an einer Wand hängt, ohne zu veralten.
Die Bauhaus-Ästhetik überlebt, weil sie lesbar ist. Ein roter Kreis, eine blaue Fläche, eine geometrische Schrift: man erkennt es sofort, auch ohne es zu benennen.
Bauhaus und Vintage-Reiseplakate kombinieren
Eine häufig gestellte Frage: Lassen sich diese sehr geometrischen Bauhaus-Plakate mit den illustrativen Vintage-Reiseplakaten der Jahre 1925-1935 kombinieren? Die Antwort ist ja, sofern man einige Regeln beachtet. Bauhaus und Art Déco teilen tatsächlich dieselbe Epoche (beide Strömungen begegnen sich in Paris auf der Internationalen Ausstellung von 1925) und denselben Geschmack für Farbflächen und gespannte Kompositionen. Ein Cassandre-„Nord Express" und ein Bauhaus-Werkstatt-Plakat von 1923 sprechen visuell besser miteinander, als man denken würde.
Drei Regeln. Zunächst eine Palette teilen: Wenn Ihr Bauhaus in Blau- und Gelbtönen gehalten ist, wählen Sie ein Reiseplakat, das mindestens eine dieser beiden Farben enthält. Dann Formate und Ausrichtungen abwechseln: ein Bauhaus 50x70 Hochformat neben einem Cassandre 70x100 Querformat - der Formatkontrast kompensiert die Palettenverwandtschaft. Schließlich identische Rahmen: durchgehend mattes Schwarz oder durchgehend Eiche. Der Mix von Rahmensorten zerstört die Harmonie.
Vier Plakate zum Einstieg
- Eine Komposition mit Primärformen: Kreis, Quadrat, Dreieck in einer Dreifarbenpalette. Das ist Kandinskys Gründungsübung von 1923, und sie funktioniert noch immer.
- Ein typografisches Plakat: ein Wort, ein Buchstabe, ein Raster. Greift Bayers Sprache von 1925 auf, ideal über einem Schreibtisch oder im Flur.
- Eine Komposition aus wiederholten Linien, wie unsere türkisen Wellen. Die Werkstatt-Ästhetik aus Dessau, in zeitgenössische Dekoration übertragen.
- Ein Atelierblatt: Reproduktion einer pädagogischen Übung von Klee oder Itten, in einem intimen Format über einem Arbeitsplatz.
Bei Montmartre Poster bündelt die Bauhaus-geometrische Kollektion diese verschiedenen Stränge, gedruckt auf Kunstdruckpapier 275 g/m². Man kann auch mit der Vintage-Reisekollektion kreuzen, um eine Wand zu gestalten, die fünfzig Jahre europäischen Grafikdesigns umspannt, zusammengehalten durch eine einzige Palette.







