Wien, Februar 1908. Gustav Klimt stellt auf der Kunstschau, einer großen Kunstmanifestation zum sechzigsten Regierungsjubiläum Kaiser Franz Josephs, sein neues Gemälde aus: "Der Kuss". Die Leinwand misst 1,80 mal 1,80 Meter, ein ungewöhnliches Quadratformat. Ein Mann und eine Frau umarmen sich am Rand eines blumigen Abgrunds, von dreiviertel hinten gesehen. Ihre Körper verschwinden unter einem weiten goldenen Gewand, das beide Figuren bedeckt, mit männlichen geometrischen Motiven (schwarz-weiße Rechtecke) auf dem Mann und weiblichen (farbige Kreise) auf der Frau. Massives Blattgold bekleidet fast die gesamte Leinwand, außer dem Gesicht der Frau und den Händen beider Figuren, die mit der Präzision eines Bouguereau in Öl gemalt sind. Das Werk wird vom österreichischen Staat schon während der Ausstellung für 25.000 Kronen gekauft. Es hängt heute in der Österreichischen Galerie Belvedere in Wien. Es ist vielleicht das meistreproduzierte Werk westlicher Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts, gleich nach der Mona Lisa.

Klimt ist 1907 kein Anfänger. Geboren am 14. Juli 1862 in Baumgarten, in den westlichen Vororten Wiens, Sohn eines Goldschmieds, beginnt er mit vierzehn an der Wiener Kunstgewerbeschule zu malen. Mit achtzehn gründet er mit seinem Bruder Ernst und einem Kameraden, Franz Matsch, ein Atelier für Wanddekoration, das die prestigeträchtigsten Aufträge des kaiserlichen Wien erhält: die Decke des großen Treppenhauses des Burgtheaters (1886-1888), das Gewölbe des Kunsthistorischen Museums (1890-1891). Mit dreißig ist er ein anerkannter, ausgezeichneter akademischer Maler. Dann ändert sich 1897 alles. Mit etwa dreißig Künstlern (Joseph Maria Olbrich, Carl Moll, Koloman Moser, später Otto Wagner) gründet er die Wiener Sezession, eine Bewegung, die mit der offiziellen Akademie bricht, um eine moderne Kunst zu verteidigen. Er wird Präsident. Er formuliert das Programm: "Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit".

Die Goldperiode (1899-1907)

Klimt reist 1899 nach Italien. In Ravenna, in der Basilika San Vitale, entdeckt er die byzantinischen Mosaike des sechsten Jahrhunderts. Es ist ein Schock. Auf ganze Wände aufgebrachtes Blattgold, in Mosaik nach hieratischer Frontalität behandelte Gesichter, Ornament als malerisches Material. Er kehrt mit einem Projekt nach Wien zurück. Ab 1901 integrieren seine Bilder massiv das Blattgold. "Judith I" (1901) eröffnet die Reihe, dann "Pallas Athene", dann der große Zyklus für die Universität Wien (der 1945 bei einem deutschen Brand im Zweiten Weltkrieg zerstört wird), dann die Porträts der Adele Bloch-Bauer (das berühmte "Porträt der Adele Bloch-Bauer I" von 1907 mit ganz goldenem Grund, 2006 von den Bloch-Bauer-Erben für 135 Millionen Dollar an Ronald Lauder verkauft, der es in seinem Museum Neue Galerie in New York installiert hat).

Die Blattgoldtechnik ist anspruchsvoll. Klimt verwendet echtes Blattgold, auf 0,0001 Millimeter Stärke geschlagen, mit Leim auf die vorbereitete Leinwand aufgebracht. Er trägt anschließend Ölfarbe auf das Gold oder um das Gold auf und spielt mit den Transparenzen. Die geometrischen Motive werden nach dem Trocknen mit Metallspitzen in das Gold graviert. Es ist eine Goldschmiedetechnik, geerbt vom Beruf seines Vaters. Kein anderer großer europäischer Maler engagiert sich so weit im Blattgold. Diese technische Eigenheit macht Klimt auch so schwer reproduzierbar. Plakate, die die Goldperiode imitieren, müssen Textur, Materie, Körnung spielen: auf einem dicken matten Papier, das die Leinwandstruktur erinnert, nie auf glänzendem Papier, das das Gold zu einem ordinären Metallic flach drückt.

Die weiblichen Porträts und der Wiener Auftrag

Klimt lebt in Wien im Bezirk Hietzing, in einem Atelier, das er mit seiner Gefährtin Emilie Flöge teilt, einer Modeschöpferin und Sezessionsfigur. Er heiratet nie. Er hat vierzehn anerkannte uneheliche Kinder mit verschiedenen Modellen. Sein Privatleben ist ein Wiener Skandalthema. Seine weiblichen Porträts sind fast alle Aufträge der gehobenen jüdischen Wiener Bourgeoisie: Sonja Knips (1898), Margaret Stonborough-Wittgenstein (1905, Schwester des Philosophen Ludwig Wittgenstein), Adele Bloch-Bauer (zwei Porträts 1907 und 1912), Fritza Riedler (1906), Eugenia Primavesi (1913). Jedes Porträt ist eine lange Verhandlung mit der Auftraggeberin, die das Atelier Dutzende von Malen aufsucht, manchmal über mehrere Jahre. Klimt kennt diese Frauen intim. Seine Porträts haben trotz ihrer Ornamentik eine scharfe Psychologie: Adele Bloch-Bauer, die 1907 mit fünfundzwanzig sitzt, wird mit einem ängstlichen, fast traurigen Blick unter den Vergoldungen wiedergegeben.

"Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit", goldene Inschrift, in die Fassade des Sezessionspavillons in Wien graviert, seit 1898.

Mit einer Klimt-Hommage leben

Ein Plakat im Stil von Klimts Goldperiode will einen intimen Raum und kontrolliertes Licht. Das Blattgold oder der reproduzierte goldene Effekt wechselt die Farbe mit dem Licht. Unter warmem Licht (Nachttischlampe) schlägt es ins Kupferne um. Unter kaltem Licht (Tageslicht) ins Gelb-Weiße. Wählen Sie den Raum nach dem gewünschten Effekt. Eine Wand in Elfenbein, hellem Beige oder Blassgrün dient der Komposition besser als eine kalte weiße Wand. Der Rahmen: blasse Eiche für Wärme oder mattes Schwarz mit schmalem Profil für Kontrast. Vermeiden Sie verdoppeltes Gold: ein vergoldeter Rahmen auf einem goldenen Werk schafft eine dekorative Sättigung, die die Komposition erstickt. Die Regel, die funktioniert: ein einziges goldenes Element im Raum, und dieses ist das Werk.

Das Format zählt. Der originale "Kuss" ist quadratisch und misst 1,80 Meter. Eine großformatige Reproduktion (90 mal 90 oder 100 mal 100) bewahrt die monumentale Wirkung. Im Kleinformat (30 mal 30 oder 40 mal 40) verliert die Komposition ihre dekorative Flachheit und wird wieder anekdotisch. Für die goldenen Porträts (Adele, Judith) ist das vertikale 50 mal 70 oder 70 mal 100 ideal und füllt eine schmale Wand zwischen zwei Fenstern. Ideale Räume: ein Schlafzimmer, ein Boudoir, ein kleines Esszimmer, ein Treppenabsatz. Kein Wohnzimmer, das von einem großen Fernseher beherrscht wird, keine Küche, kein Open Space.

Drei Fäden für den Einstieg

  • Eine Hommage an den Kuss: quadratische Komposition, gold-schwarze Palette, geometrische Motive. Quadratformat 50 mal 50 oder 70 mal 70.
  • Ein goldenes weibliches Porträt nach Adele Bloch-Bauer: vertikales Format, ornamentaler Grund, Gesicht in Reserve. Ein Stück, das man allein auf einer schmalen Wand aufhängt.
  • Ein reines Wiener Ornamentmotiv (Spiralen, Quadrate, goldene Dreiecke). Zugänglicher als das Porträt, ideal im Jugendzimmer oder Büro.

Bei Montmartre Poster leben die Hommagen an Klimt und das Wien um 1900 in der Vintage-Kollektion und in der Porträt-Kollektion für die weiblichen Figuren. Für den vollständigen historischen Kontext siehe unseren Beitrag zu der Wiener Werkstätte und Wien um 1900, der die Werkstatt beschreibt, mit der Klimt zehn Jahre lang zusammenarbeitete, und unsere Notiz zu Mucha und dem Jugendstil, Klimts Zeitgenossen am anderen Ende Mitteleuropas.