Der Eiffelturm wurde zwischen 1887 und 1889 fuer die Weltausstellung errichtet. Gustave Eiffel sah ihn als vorlaeufig an. Er sollte 1909 abgerissen werden. Was ihn rettete: die drahtlosen Telegrafenmasten an seiner Spitze, die 1898 installiert wurden und ihn fuer die militaerische Kommunikation unverzichtbar machten. Der Turm blieb, und mit ihm die Industrie seiner Darstellungen.

Die ersten Plakate mit dem Eiffelturm stammen aus dem Jahr 1889, dem Jahr der Ausstellung. Sie sind in Lithofarbe gedruckt, in Paris von den grossen grafischen Verlagshaeusern (Chaix, Affiches Charles Verneau). Der Turm erscheint im Landschaftshintergrund, mit Besuchermassen im Vordergrund. Er ist noch keine Ikone - er ist noch ein Gebaeude unter anderen, das groesste vielleicht, aber ein Gebaeude.

Die Ikonisierung durch das Plakat

Im 20. Jahrhundert, insbesondere zwischen 1910 und 1950, wird der Eiffelturm zur grafischen Ikone. Reiseplakatkuenstler beginnen ihn allein, vereinfacht, als Symbol statt als Gebaeude darzustellen. Cassandre behandelt ihn als geometrische Form in seinen Plakaten der 1930er Jahre fuer das franzoesische Fremdenverkehrsamt. Paul Colin setzt ihn in den Hintergrund von Unterhaltungsplakaten. Seine Silhouette wird sofort erkennbar, selbst wenn sie auf wenige Zentimeter verkleinert wird.

Montmartre, Treppen der Butte, Dorhhaeuser
Montmartre, die Treppen der Butte - ein grafischer Raum, den Plakatkuenstler seit Toulouse-Lautrec erkundet haben.

Montmartre hat ein anderes Verhaeltnis zum Plakat. Das Viertel ist seit Toulouse-Lautrec und dem Moulin Rouge die Wiege des modernen Pariser Plakats. Lautrec erfand das Unterhaltungsplakat 1891 in den Strassen von Montmartre. Er arbeitete zwischen der Butte und Pigalle, in den Kabaretts und Ateliers. Das Montmartre-Plakat ist nicht touristisch - es ist kuenstlerisch, sozial, im Viertelsleben verwurzelt.

Was ein gutes Paris-Plakat von einem Souvenir unterscheidet

Der Unterschied liegt in der grafischen Behandlung. Ein Paris-Souvenir zeigt den Eiffelturm buchstaeblich, fotografisch oder hyperrealistisch, mit "Paris" in Kursivschrift und einem klischeehaften Himmelshintergrund. Ein gutes Paris-Plakat behandelt die Stadt als grafisches Sujet: es vereinfacht, waehlt einen Winkel, schafft eine Atmosphaere. Eine Turmsilhouette in flachem Mitternachtsblau auf cremefarbenem Grund - das ist ein Plakat. Ein nachbearbeitetes Foto des Turms mit Vintage-Filter - das ist ein Souvenir.

Toulouse-Lautrec verkaufte seine Moulin-Rouge-Plakate direkt an den Waenden von Paris. Passanten rissen sie nachts ab, um sie zu behalten. Er erfand damit versehentlich den Markt fuer Sammelplakate.
Seinefer, Buecherhaendler, steinerne Bruecken
Die Buecherhaendler an den Seineufern - ein Paris, das den Jahrzehnten trotzt, sich selbst treu seit 1900.

Ein Paris-Plakat fuer das Zuhause auswaehlen

Fuer ein franzoesisches Interieur sollte ein Paris-Plakat die touristische Anekdote vermeiden. Was funktioniert: ein Vintage-Tourismusposter aus den 1920er bis 1950er Jahren ("Paris, ville lumiere", im Stil von PLM oder der Compagnie generale transatlantique), eine stilisierte grafische Darstellung eines Viertels (Montmartre von oben, Saint-Germain mit den Cafes der Befreiung) oder ein typografisches Plakat, das mit klassischer Pariser Typografie spielt, ohne das Sujet zu fotografieren.

Fuer ein Interieur im Ausland kann das Paris-Plakat direkter evokativ sein - der Eiffelturm ist weltweit bekannt, und das ist eine legitime grafische Staerke. Entscheidend ist die Qualitaet der Ausfuehrung: praezises Grafikdesign, gut kalibrierte Farben, ein Format, das dem Bild den Platz gibt, den es verdient.