
Henri de Toulouse-Lautrec
Montmartre, 1891. Ein 27-jaehriger Aristokrat signiert die Lithografie, die das moderne Plakat erfindet und die ganze Belle Epoque praegt.
- Geboren
- 1864-11-24
- Gestorben
- 1901-09-09
- Nationalitaet
- French
Henri Marie Raymond de Toulouse-Lautrec-Monfa wurde am 24. November 1864 in Albi geboren, in eine alte okzitanische Adelsfamilie. Seine Eltern Alphonse und Adele waren Cousins ersten Grades, die Verwandtenehe vererbte ihm eine genetische Knochenfragilitaet. Mit 13 brach er sich den linken Oberschenkel, mit 14 den rechten. Die Knochen wuchsen nicht mehr zusammen. Er blieb bei 1,52 Metern stehen.
Er zog 1882 nach Paris, ins Atelier von Leon Bonnat, dann zu Fernand Cormon, wo auch Vincent van Gogh und Emile Bernard arbeiteten. Dort traf er die Malerei, die ihn praegen sollte: Degas, der rohe Naturalismus, der japanische Holzschnitt. 1886 verliess er das Atelier und mietete ein eigenes in der rue Caulaincourt in Montmartre. Das Viertel, halb Land, halb Rotlichtbezirk, wurde sein ausschliessliches Sujet.
Oktober 1891. Charles Zidler, Direktor des seit zwei Jahren geoeffneten Moulin Rouge, bestellte bei Toulouse-Lautrec ein Plakat fuer die Wintersaison. In drei Wochen lieferte er eine vierfarbige Lithografie, 191 mal 117 Zentimeter: La Goulue, Valentin le Desosse als schwarze Silhouette. Dreitausend Exemplare auf den Morris-Saeulen von Paris. Nach Toulouse-Lautrec wurde das Plakat, was wir heute darunter verstehen: Farbflaeche, schwarze Kontur, komprimierte Perspektive, direkte Anleihe beim ukiyo-e.
Zwischen 1891 und 1900 entstanden zweiunddreissig Plakate: Jane Avril (1893), Aristide Bruant (1893), May Belfort (1895), Divan Japonais (1893). Toulouse-Lautrec zeichnete direkt auf den Stein, waehlte seine Pigmente selbst. Seine Motive waren seine Freunde, was den Plakaten eine menschliche Wahrheit gibt.
Er starb am 9. September 1901 auf Schloss Malrome, mit 36, ausgezehrt von Alkohol und Syphilis. Seine Mutter schenkte 1922 den Atelierbestand der Stadt Albi, die im alten Berbie-Palast das Toulouse-Lautrec-Museum eroeffnete. Ein Toulouse-Lautrec-Druck verlangt einen ruhigen Wandplatz: schmaler matter Schwarzrahmen, eher dunkler Wandton.

