Eine Flurwand, sechs in hellem Holz gerahmte Poster. Rom, die Riviera, London, die Karibik, Japan, Australien. Jeden Morgen geht man daran vorbei, und jeden Morgen ist es ein kleiner Start. Das Vintage-Reiseposter hat eine Kraft, die wenige Bilder besitzen: Es schmückt nicht nur, es öffnet ein Fenster. Die Schifffahrts- und Eisenbahngesellschaften begriffen das schon in den 1920er-Jahren und beauftragten Illustratoren mit Bildern von Zielen, die niemand gesehen, aber schon erträumt hatte.

Die Falle ist eben die Postkarte. Sechs Orte ohne Logik aufzureihen ergibt eine Wand voller Touristensouvenirs, keine Galerie. Was eine Sammlung von Postern zur Komposition macht, ist Harmonie, nicht Vielfalt. Ein Reiseposter, das drinnen funktioniert, hängt von drei Entscheidungen ab: welche Farben dominieren, welche Ziele miteinander sprechen und auf welcher Höhe man sie aufhängt.

Harmonie vor Reiseziel

Der natürliche Reflex ist, die Poster nach den geliebten Orten zu wählen. Besser beginnt man mit der Farbe. Eine stimmige Wand vereint Poster mit einer gemeinsamen Dominante: die Blau- und Türkistöne der Badeorte oder die Ocker- und Terrakottatöne der südlichen Städte. Man darf Epochen und Stile mischen, Art déco und Illustration der 1950er, solange die Palette zusammenhält. Ein einzelnes Poster darf auf Kontrast setzen, ein roter Fleck in einem blauen Ensemble, sofern er isoliert und gewollt ist. Der Rest folgt derselben Tonfamilie.

Was wohin hängen

  • Wohnzimmer: ein einzelnes großes Poster über dem Sofa oder eine Dreierreihe, die eine Reise erzählt.
  • Flur: die ideale Galerie, sechs bis acht mittlere Formate im Versatz oder in strenger Linie, je nach Breite.
  • Büro: ein einzelnes fernes Ziel im Blickfeld, wie das Versprechen der nächsten Station.
  • Schlafzimmer: ein Badeort-Poster in ruhigen Blautönen, gegenüber dem Bett, um am Wasser einzuschlafen.

Rahmen, Ausrichtung und die 1,55-m-Regel

Für eine Reisegalerie zählt die Einheit der Rahmen mehr als ihr Reichtum. Dasselbe Holz auf allen Postern, helle Eiche für warme Paletten, schmales Schwarz für Marineblau, gibt der Wand ihre Stimmigkeit, auch wenn die Ziele nichts gemein haben. Um eine Galerie auszurichten, denkt man in einer Mittellinie: eine zentrale Achse auf 1,55 Meter über dem Boden anpeilen und die Rahmen beidseitig verteilen, mit einem gleichmäßigen Abstand von 5 bis 7 Zentimetern dazwischen. In einem schmalen Flur ist eine einzige gerade Linie einem Versatz vorzuziehen, der unordentlich wirken würde.

Ein Reiseposter zeigt keinen realen Ort. Es zeigt die Vorstellung, die man vorher davon hatte. Darum lässt es immer träumen, selbst wenn man das Ziel kennt.

Bei Montmartre Poster versammelt die Vintage-Reisekollektion Eisenbahnlinien, Badestationen und Flugposter des goldenen Zeitalters, gedruckt auf 275-g-Künstlerpapier. Genug, um eine Wand zu gestalten, die Lust aufs Wegfahren macht und die selbst dann trägt, wenn man zu Hause bleibt.